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Wirtschaft | 2010-03-10 00:31:27
 

aktien-meldungen.de: Vectron Systems AG: "Die Strategie hat sich als richtig erwiesen" - Gründungsvorstand Jochen Fischer im Interview

Hamburg (ots) - Die Vectron Systems AG (ISIN DE000A0KEXC7 / WKN
A0KEXC) hat sich auf die Produktion und den Vertrieb von
Kassensystemen sowie Kommunikationssoftware spezialisiert. Im
Interview mit a|m spricht Gründungsvorstand Jochen Fischer über die
strategischen Entscheidungen der Vergangenheit und deren Auswirkungen
auf die Zukunft.

a|m: Herr Fischer, nach Millionengewinnen in der Vergangenheit
hat Vectron im Geschäftsjahr 2009 nur noch ein knapp sechsstelliges
Nachsteuerergebnis ausgewiesen. Sind Sie damit zufrieden oder ist
Ihre Wachstumsstory vorerst zu Ende?

Jochen Fischer: Ich denke, man muss sich einmal die
Rahmenbedingungen anschauen: 2009 hatten wir eine massive weltweite
Wirtschafts- und Finanzkrise, die deutsche Wirtschaft erlebte eines
der schlimmsten Jahre der Nachkriegsgeschichte und in wichtigen
Exportmärkten wie Frankreich, Spanien oder Großbritannien ging fast
nichts mehr. Für einen produzierenden Investitionsgüterhersteller mit
Hauptzielmarkt Gastronomie sind das natürlich denkbar schlechte
Rahmenbedingungen. Insofern können wir mit einem Umsatzrückgang von
gut 12% (von 23,6 auf 20,5 Mio. Euro) leben. Aber: wenn man in einem
solchen Jahr ein EBITDA von 2.240 Mio. Euro erwirtschaftet und das
Firmenkonto -bereinigt um Dividendenausschüttung und Steuerzahlungen
für Vorjahre- um rund 2 Mio. Euro aufstocken kann, kann man aus
unternehmerischer Sicht sogar zufrieden sein. Außerdem haben wir uns
das ganze Jahr über im Rahmen der Analystenschätzungen bewegt,
Vectron hat also wieder nicht mehr versprochen, als dann auch
gehalten werden konnte. Wir wissen, dass Mitbewerber Umsatzrückgänge
von 20 bis 40% zu verkraften haben, wir haben also Marktanteile
hinzugewonnen. Im deutschen Fachhandelsgeschäft haben wir im
Vergleich zum Vorjahr beim Umsatz sogar zugelegt. Auf den
Exportmärkten allerdings konnten wir uns dem allgemeinen Sog nicht
entziehen.

Die Wachstumsstory wird bei sich normalisierenden
Rahmenbedingungen weitergehen. Angesichts unserer Rohmargen von über
60% stecken in jeder zusätzlichen Million Umsatz 600.000 Euro
Vorsteuergewinn. Die Umsätze müssen also nur wieder in überschaubarem
Maße zulegen und das Niveau der Vorjahre erreichen, dann steigen die
Gewinne extrem überproportional an. Außerdem hatten wir in der
Vergangenheit in aller Regel auch mindestens einen Großauftrag mit
siebenstelligem Umsatzvolumen pro Jahr in den Büchern. Aufgrund der
allgemeinen Vorsicht auf Großkundenseite sowie der restriktiven
Kreditvergabe auf Bankenseite hatten wir in 2009 erstmals seit Jahren
keinen Großauftrag, der das Ergebnisbild nachhaltig verbessert hätte.
Wir hoffen, dass dies 2010 wieder anders wird.

Wir haben aktuell ein eigenes Finanzierungsprogramm für Endkunden
gestartet, um der Kreditklemme entgegenzuwirken. So etwas können
unsere kleineren Mitbewerber nicht. Unsere Fachhandelspartner
begrüßen das sehr, sie können nun Vectron-Kassen ab 49 Euro
Leasingrate pro Monat anbieten. Außerdem werden wir Ende 2010/Anfang
2011 unsere neuen stationären Kassensysteme präsentieren, die in
Technologie und Design einen Quantensprung darstellen werden. Wenn
wieder mehr Kassen gekauft werden, sollten daher eigentlich
überproportional viele Vectron-Kassen gekauft werden!

a|m: Welche Prognose geben Sie für das laufende Geschäftsjahr
2010 ab?

Jochen Fischer: Dieses Jahr ist extrem schwer einzuschätzen,
da wir direkt am Konjunkturzug hängen. Wenn es Gastronomie,
Bäckereibranche und Handel wieder gut geht und diese Branchen wieder
mehr investieren, wird auch bei uns die Nachfrage wieder anziehen.
Das heißt, ich müsste jetzt eigentlich eine volkswirtschaftliche
Gesamtprognose für 2010 abgeben, womit ich mich schwer tue. Meine wie
immer vorsichtige Einschätzung: 2010 wird hoffentlich leicht besser
als 2009, ab 2011 sollte es dann insgesamt wieder deutlich aufwärts
gehen.

a|m: Die Vectron - Aktie zählte in den vergangenen Jahren zu
den dividendenstärksten deutschen Titeln. Wie stellt sich Ihre
Dividendenpolitik in der aktuellen Situation dar?

Jochen Fischer: Angesichts des gerade mal sechsstelligen
Nachsteuerergebnisses und der nach wie vor schwierigen Lage der
Wirtschaft möchten wir unsere Reserven gern konservieren. Außerdem
brauchen wir auch Eigenmittel für die oben erwähnte hauseigene
Endkunden-Finanzierung. Wir werden daher für 2009 keine Dividende
zahlen. Am meisten betroffen sind davon meine beiden
Mitgesellschafter Thomas Stümmler und Jens Reckendorf sowie ich
selbst, da wir Drei noch immer rund 70% der Aktien halten und damit
ebenfalls nicht in den Genuss einer Dividende kommen.

a|m: Das Ergebnis 2009 wurde auch durch umfassende
antizyklische Investitionen im Bereich Forschung & Entwicklung sowie
internationaler Vertrieb belastet. Sehen Sie diese Strategie immer
noch als richtig an?

Jochen Fischer: Das neue Modell Vectron POS SteelTouch sowie
weitere Features und Produkte, die Millionenumsätze generiert haben,
wären ohne die zweistellige Zahl neuer Entwickler, die wir 2008 und
2009 eingestellt haben, nicht möglich gewesen. Also hat sich die
Strategie bereits zum jetzigen Zeitpunkt als richtig erwiesen,
anderenfalls hätten wir ohne die neuen Produkte wohl eben solche
Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, wie unsere Mitbewerber. Nach
unserer Einschätzung kommen unsere neuen stationären Kassenmodelle
ungefähr zeitgleich mit der prognostizierten internationalen Erholung
auf den Markt. Und unsere neuen internationalen Vertriebsmitarbeiter
haben bis dahin weitere Fachhandelspartner im Ausland akquiriert, die
dann Umsatz bringen werden. Kurz-, mittel- und langfristig sind wir
daher von unserer Strategie überzeugt.

a|m: Als im Sommer 2008 Pläne der damaligen Bundesregierung
bekannt wurden, einen sogenannten Fiskalspeicherzwang für
Kassensysteme in Deutschland einzuführen, schoss die Vectron-Aktie
aufgrund des hochgerechneten Bedarfs an Nachrüstungen und Neugeschäft
auf bis zu 36 Euro. Kurz danach wurde das Vorhaben vom Gesetzgeber
"vorübergehend gestoppt". Wie ist der aktuelle Stand zu diesem Thema?

Jochen Fischer: Das Bundesfinanzministerium beschäftigt sich
nach wie vor äußerst intensiv mit dem Thema Manipulationssicherheit
von Kassensystemen und Taxametern. Schließlich geht es um ein
Steueraufkommen in Milliardenhöhe und der Staat braucht nichts
dringender als Geld. Vor wenigen Wochen hat das BMF einen neuen
Vorstoß zu diesem Thema gemacht, der in der Öffentlichkeit kaum
beachtet wurde. In der Praxis würde die Umsetzung der Pläne im
Ergebnis einem Fiskalchipzwang gleichkommen, auch wenn der technische
Weg ein anderer wäre. Wir erwarten hier in den nächsten Monaten eine
endgültige Entscheidung des Gesetzgebers, die für uns als einen der
führenden deutschen Kassenhersteller natürlich enorme Auswirkungen
hätte - und natürlich auf den Aktienkurs.

a|m: Zur Zeit gibt es im Bereich Akquisitionen doch sicherlich
Mitbewerber, die weitaus schwächer dastehen als die mit einem satten
Cahpolster ausgestattete Vectron. Sind Übernahmen vor diesem
Hintergrund für Sie ein Thema?

Jochen Fischer: Natürlich schauen wir uns Mitbewerber an, aber
man muss ja nicht gleich kaufen, man kann ja auch - insbesondere in
Exportmärkten -kooperieren. Wir sind halt sehr vorsichtig und
konservativ geworden. Mit rund 6 Mio. Euro Cash ist unsere
Kriegskasse natürlich gut gefüllt. Wir haben keine
Bankverbindlichkeiten und eine Eigenkapitalquote von über 80%.
Schauen wir mal.

a|m: Die Vectron-Aktie zeigt sich in den letzten Wochen bei
Kursen zwischen 11 und 12 Euro sehr stabil. Ende des vergangenen
Jahres kam es zu einem kurzfristigen, überraschenden Kurseinbruch von
über 20%, der die Anleger verunsicherte. Was waren die Gründe
hierfür?

Jochen Fischer: Die Umsätze in der Vectron-Aktie sind
überschaubar; wenn es einen größeren Käufer oder Verkäufer gibt,
führt das natürlich zu hohen Volatilitäten. Aus diesem Grund haben
wir mit CloseBrothersSeydler und M.M.Warburg ja gleich zwei
Designated Sponsors engagiert. In aller Regel melden sich größere
Abgeber bei den beiden Sponsoren oder bei mir, sprich bei FISCHER
RELATIONS. Im Dezember hat dies ein größerer Abgeber nicht getan, was
für ihn selbst dumm war, da der Kurs auf bis zu 9,70 Euro intraday
durchrutschte. Sicherlich hätte ich für dieses Paket einen Investor
vermitteln können, der es marktschonend übernommen hätte oder ich
hätte es auf diesem Niveau selbst genommen. Aufgrund des Volumens
konnten auch die beiden Sponsoren nicht alles aufnehmen. Aus
operativer Sicht gab es keinen Verkaufsgrund, wir haben gerüchteweise
gehört, dass ein kleinerer Fond Liquiditätsprobleme hatte. Wie so oft
in solchen Situationen bei Vectron haben aber überzeugte mid- und
long term Investoren über den Markt zugegriffen und in der Folge
rasch 20% Plus gemacht. Bei Vectron gilt halt noch immer: wer zu früh
verkauft, den bestraft das Leben...

a|m: Herr Fischer, wir bedanken uns für das Gespräch.

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